ASL vs. FLT135 mit AOM 0,65x Reducer

Seit 2018 sind die zwei ASL 180/900 Prototypen (Apo mit 6 Linsen) im praktischen Einsatz und nach den visuellen und fotografischen Ergebnissen kann eine erste Bewertung des Systems erfolgen.

Der sechslinsige Aufbau ermöglicht beim ASL 180 eine Farbkorrektur, welche mit einem Triplet bei gleicher Lichtstärke nicht leistbar ist. Außerdem ist die Feldkorrektur bereits eingerechnet. Die kurze Baulänge des ASL erlaubt in beengten Aufstellungsräumen eine Montage, welche für langbauende Geräte ein Ausschluss bedeutet kann, z. B. eines fiktiven 180/1440 f/8 oder eines 180/1224 f/6.8 Triplet.

Den ASL 180/900, mit Verlängerungssystem optional180/2000, als Multifunktionsgerät einzusetzen, hat sich jedoch nicht bewährt.

Die sehr gute Eignung für Deep Sky Fotografie ist hervorzuheben, was sich besonders an einem hohen Bildkontrast bemerkbar macht. Planeten- und Mondaufnahmen können ebenfalls angefertigt werden, jedoch liegen die Ergebnisse unterhalb der Möglichkeiten eines 180 Apo Triplets.

Der Grund dafür liegt in der Linsenanzahl, welche einerseits die Korrektureigenschaften des Systems sicherstellt, anderseits fügt auch jede Linse ihre Aberration bei, die insgesamt den Strehlwert mindert. Realistisch sind hier selbst bei sorgfältiger Bearbeitung und Justage um die 0,93 als Strehlwert. Allerdings wird dieser Wert über einen größeren Wellenlängenbereich gehalten, was sich positiv auswirkt.
Unter praktischem Einsatz arbeiten die Linsen thermisch und die Anpassungsgeschwindigkeit ist langsamer als bei einem gefügten Triplet.

In Summe ergibt sich visuell an Planeten eine ordentliche Leistung, jedoch nicht auf dem Level eines visuell optimierten Refraktors. Für visuelle Anwendung kommt noch der begrenzte Backfokus hinzu, so dass 2" Zenitspiegel nur bei wenigen Okulartypen eingesetzt werden können.

Der Aufbau des ASL besteht aus 4 Linsen mit 180mm freiem Durchmesser in einer Fassung, (drei Linsen davon ölgefügt), Linse 5 einzeln gefasst und auch Linse 6 einzeln gefasst. Jede Fassung kann in der Länge justiert, sowie auch gekippt werden. Linse 5 ist zusätzlich seitlich verschiebbar. Die Anforderungen an den optimalen Einbau in den Rohrtubus kann ein Laie nicht leisten und erfordert eine optische Bank, künstliche Sterne bzw. einen Interferometer. Zusammengebaut ist das System stabil, da solide konstruiert. Vom Fotografen kann das System jedoch durch Verkippung des Auszugs optimal auf die Winkligkeit des Bildsensors zum Strahlengang justiert werden. Neben der Bildkontrolle der Sternabbildung hilft z.B. das Programm ccd inspector bei der Beurteilung. Damit konnte kürzlich die Feldabbildung nochmals gesteigert werden mit dieser Auswertung:

Mit großem zeitlichem Vorlauf ist es denkbar, dass wir auf Kundenwunsch weitere ASL 180/900 fertigen. Aufgrund des hohen Fertigungsaufwands, hohem Preis und viel Zeitaufwand für die Justage eignet sich dieses System nicht für eine Serienfertigung. Die Anwendung liegt vorwiegend im fotografischen Bereich.

Versuche mit einem Vixen HD Reducer waren vielversprechend. Dieser erhöht die Lichtstärke auf anspruchsvolle f/3.9.

Siehe Astrobild der Woche auf astronomie.de oder dem Herznebel.

Für fotografische Anwendung besteht die Alternative in der Verwendung z.B. eines f/7.7 Refraktors mit Reducer 0,65x für Vollformat. Genau mit dem Faktor 0,65x haben wir Prototypen von Reducern mit Ausleuchtung für Vollformat gefertigt.
So ergibt sich z.B. bei einem Zeiss APQ 130/1000 mit diesem Reducer f/5 und beim FLT 135/1080 f/5.2. Für diese Systeme ist der Reducer gerechnet worden. Ob ein beliebig anderes Triplet mit den Daten 180/1400 für den Reducer anwendbar ist, kann nicht ohne weiteres beantwortet werden.

Ein FLT 135/1080 ist ein nahezu ideales, visuelles Beobachtungssystem mit großem Backfokus für den Einsatz von Binoansätzen oder anderem Zubehör. Der sehr hohe Kontrast ermöglicht außergewöhnlich gute Mond und Planetenbeobachtungen.

Fotografisch wird mit dem AOM Reducer 0,65x daraus ein Fotosystem mit ungefähr gleicher Blende wie die des ASL 180/900.

Der Reducer fordert für die optimale Abbildungsleistung einen definierten Abstand von der letzten Linse zur Bildebene. Die Fassung des 135mm Objektivs ist nicht justierbar, während der Kameraanschluss am Reducer justierbar ist. Hier muss der Fotograf den Abstand und Verkippung passend auf sein Kamerasystem einjustieren. Allerdings beschränkt sich der Eingriff auf einen Justageflansch, welcher am Reducerende gut zugänglich ist.

Es spricht viel dafür den FLT 135/1080 oder ähnliche Geräte mit dem 0,65x Reducer optional ausrüstbar zu machen, um ein umfänglich foto-visuelles System herzustellen.

Das gerechnete System FLT 135 + Reducer erlaubt die Nutzung von Vollformat mit hoher Abbildungsleistung. Dafür ist jedoch ein fünflinsiger Reducer mit 3 ED Gläsern erforderlich. Der Linsendurchmesser beträgt 85mm, der freie Eintritt hat 82mm Öffnung. Zwei Linsengruppen sind ölgefügt, was die Zahl der Glasluftflächen auf das Maß eines dreilinsigen Reducers mit Luftspalt sinken lässt.

Voraussetzung ist ein Auszug FTF 3545, welcher den notwendigen Innendurchmesser bietet. Der FLT 135 Tubus hat auch eine entsprechende Blendenauslegung um 82mm Feld im Fokus ausleuchten zu können.

Zudem wird ein Backfokus von ca. 200mm benötigt, um den Reducer einsetzen zu können. Alle diese Voraussetzungen sind im FLT Tubus bereits berücksichtigt was auch bedeutet, dass nicht jeder Refraktor mit ähnlichen Daten auch für den Einsatz eines solchen AOM 0,65x Vollformat-Reducer geeignet ist.