Astronomie für „reifere Beobachter“

Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt, warum Sie nicht mehr Zeit wie früher unter den Sternen verbringen?
Die Gründe können vielfältig sein wie z.B.:

  • Der Aufbau lohnt sich wochentags nicht, weil zu aufwändig und nur kurze Zeit für die Beobachtung bleibt
  • Die Teile sind zu schwer, weil´s der „Rücken“ nicht mehr macht oder die Leiste „zieht“
  • Die Fahrt in dunkle Beobachtungsumgebung schaffe ich nicht mehr
  • Die Augen zeigen „Glaskörpertrübungen“ , die wie „Fäden“ oder „Würmer“ bei hohen Vergrößerungen die Beobachtung stören
  • Die Gelenkigkeit ist nicht mehr da und die Einblickpostion strengt an

Wenn Sie solche Sorgen und Gedanken haben hilft es Ihnen vielleicht zu erfahren, dass andere Mitbeobachter vom gleichen Leid betroffen sind. Persönlich bin ich Baujahr 1964 und meine größte Kundengruppe ist in diesem Alter und durchaus gibt es auch Einsteiger die erst zum Renteneintritt ein neues Hobby suchen. Andere alte „Hasen“ haben durch Erfahrung gelernt, dass der Unterbau und die Montierung solide sein muss, was in der Regel mit Gewicht verbunden ist. Jetzt wird die Erfahrung selbst zum Handicap weil das solide Equipment zwar der ganze Stolz ist, aber vor Allem durchs Ansehen und weniger wegen dem „Duchsehen“.

Ich möchte nachfolgend konkrete Lösungsvorschläge vorstellen und Sie können mich gerne kontaktieren, wenn Sie Ideen suchen und diese auch durch Kauf oder Verkauf konkret umgesetzt haben möchten.
Kontaktdaten finden Sie hier:

Der erste Schritt für den eingefahren Beobachter ist es, die eigenen Erfahrungen auch mal „hintenanstellen“ und Bereitschaft für Neues zu haben. Auch das „Loslassen“ von Gewohntem gehört dazu, was im Vergleich zum Aufgeben ein milderer Schritt ist.

Der Aufbau lohnt sich wochentags nicht, weil zu aufwändig und nur kurze Zeit für die Beobachtung bleibt

Warum sich der Aufbau nicht lohnt liegt häufig nicht an der Optik, sondern der schweren Montierung, Gegengewichten, Verkabelung usw. Sicher haben wir die GoTo Montierung genossen und wenn es mal aufgebaut steht, ist es sehr angenehm. Das Verhältnis von Auf/Abbau zur Beobachtung muss eben stimmen.
Schneller geht der Aufbau, wenn auf GoTo und Nachführung verzichtet wird. Ein alt-azimutaler Aufbau ist visuell von Vorteil und die Lage des Polarsterns spielt hier keine Rolle. Bei guter Umsetzung reicht das halbe Montierungsgewicht aus um die gleiche Tragfähigkeit zu haben. Da möchte ich konkret die AyoDigi2 nennen, die mit nur ca. 6kg Eigengewicht große Ferngläser oder 5“ Refraktoren tragen kann.

AOM 130/1200 Apo auf AyoMaster, rechts 120 Glas

Die AyoMaster macht es gar möglich den vorhanden großen Refraktor auch über 6Zoll schnell an den Start zu bringen! Die kompakte Montierung mit Griff und 13kg Gewicht ist leichter und einfacher im Handling als eine EQ6, dabei aber deutlich tragfähiger. Das Nachführen von Hand mag zunächst wie ein Rückschritt wirken, ist aber bei ruckelfreier und weicher Lagerung eine Alternative und sogar Spaßfaktor. So kommt Ihr Gerät wieder raus und findet den Nutzen und Spaß, für das es angeschafft wurde.

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Die Teile sind zu schwer, weil´s der „Rücken“ nicht mehr macht oder die Leiste „zieht“

Das Gewicht ist eine Sache und die Größe der Teile eine Andere. Das Gewicht der Rockerbox würde ja noch gehen, nur ist es so sperrig! Zugegeben, meine Tak JPZ Montierung mit Motoren um die 30kg ist mir auch zu schwer geworden. So eine Montierung lässt sich auch nicht gut anfassen. Dann gibt es noch Hinweise von Herstellern wie 10Micron, welcher vorgibt nur mit offenen Klemme die Montierrung herauszunehmen. Winden sich dann diese ca. 20kg in den Händen, können schnell die Finger eingeklemmt werden und dann wird es schmerzhaft und teuer!

Mit zunehmenden Alter gibt es nun mal Grenzen, was man sich zumuten möchte oder sinnvoller Weise einhält. Dann kann es auch sinnvoll sein, ein liebes aber schweres Gerät zu verkaufen und dafür ein kleineres, leichteres Gerät anzuschaffen. Die Amerikaner nennen das „Downgrade“ und zeugt von einer sehr pragmatischen Einstellung. Die Geräte müssen einfach mit meiner aktuellen Lebenswirklichkeit zusammenpassen und nicht zwingend wegen der schönen Erinnerung behalten werden!

Eine andere Möglichkeit ist das Gewicht der einzelnen Komponenten im Rahmen zu halten und dafür Laufwege und Montagezeiten in Kauf zu nehmen. Bei einem Schmidt-Cassegrain mit fester Gabelmontierung ist Gewicht und Größe verbunden, während ein einzelner OTA auf eine separate Montierung eine Aufteilung vornimmt. SC Tuben lassen sich aus Gabelmontierungen ausbauen und mit Schienen nachrüsten!

Ein Doppelrefraktor mit stattlichem Gewicht kann bei intelligenter Montagevorrichtung in drei Teile zerlegt und wieder montiert werden. Damit meine ich Montagevorrichtung, Refraktor 1 und Refraktor 2. Hier liegt dann ein Vorteil gegenüber sehr großen Ferngläsern.

Im Eigenheim kann es hilfreich sein, wenn das aufgebaute Teleskop samt Stativ und Montierung veschiebbar ist. Z.B. Aufbewahren unter dem Schutz des Dachvorsprungs und anschließend zur Beobachtungsposition bringen. Rollen bzw. ein Stativwagen ist dazu ein Lösungsvorschlag. Die Firma Berlebach hat sich auf meine Anfrage hin Gedanken gemacht, wie ein Stativwagen für das beliebte Astrostativ „Planet“ aussehen könnte.

Die Fahrt in dunkle Beobachtungsumgebung schaffe ich nicht mehr

Das Verladen von Equipment ins Fahrzeug stellt sicherlich eine Hürde dar. Was zuhause noch geht ist auf dem Feld und beim Transport schon zu viel. Gute Transportkisten für sicheres Tranportieren gehören dazu. Dieses Gewicht muss ebenso bedacht werden. Kommen Körperliche Einschränkungen hinzu, so ist oft das heimische Umfeld der einzig sinnvolle Platz für die Beobachtung. In der Regel ist das häufig mit Einschränkungen verbunden. Fremdlicht, eingeschränkte Aussicht wie den Balkon, Baumbewuchs oder Gebäude engen den sichtbaren Himmel ein und die Lichtverschmutzung macht Deep Sky Beobachtung schwierig. An Objekten bleiben oft der Mond, Planeten und Doppelsterne. Hier braucht es geeignete Instrumente und dennoch lässt sich mit dieser Einschränkung Astronomie betreiben. Die Sonne kann als zusätzliches Objekt an Bedeutung gewinnen und moderne Kameras für Planetenfotografie sind leicht zu betreiben und das nachfolgende Bearbeiten lässt sich auch von weniger Computeraffinen Personen erlernen. Das Gute ist, dass ab 2022 die Planeten Jupiter und Saturn wieder höher am Himmel stehen und damit endlich wieder detailierte Ansichten der Gasriesen zulassen.

70mm Glas 45°

Bei rein visueller Beobachtung gibt es eine neue „Klasse“ von Geräten, an die man bei höheren Vergrößerungsanwendungen zunächst nicht denkt. Damit meine ich Großferngläser hoher Qualität und farbreiner Abbildung. Mit so einem 120mm Großglas konnte ich bei der jüngsten Marsopposition sogar die Polkappe bei 110x sicher erkennen. Verhindert der Balkon die Aufstellung von größerem Gerät und möglicherweise der Überbau des Balkons den Blick steil nach oben ist ein Großfernglas mit 45° eine interessante Variante. Es kann auch am Tage verwendet werden und erweitert damit den Einsatzbereich. In der Qualitätsklasse sind Natur- oder Landschaftsbeobachtungen wie auch Stadtbeobachtungen bei entsprechender Aussicht in einer bisher nicht gekannter Wahrnehmung möglich.

Die Augen zeigen „Glaskörpertrübungen“ , die wie „Fäden“ oder „Würmer“ bei hohen Vergrößerungen die Beobachtung stören.

In amerikanischen Foren werden diese „Floater“ sehr häufig von Beobachtern genannt. Darunter leiden sehr viele Menschen und eine medizinische Lösung gibt es leider nicht. Optisch hilft eine große Austrittspupille dagegen, was bei hoher Vergrößerung ein großes optisches Instrument erfordert. Leider ist "Größe" nicht das, was im Alter als Empfehlung gegeben werden sollte. Ein SCT oder Newton mit 8“ Öffnung erzeugt bei 100x eine Austrittspupille von 2mm während ein Refraktor mit 100mm Öffnung bei einer Austrittspupille von 1mm erzeugt und diese „Floater“ deutlicher in Erscheinung treten lässt. Ein Binoansatz für Optiken ist ein sehr empfehlenswertes Zubehörteil.

Statt mir mehr Öffnung dem Problem Herr zu werden gibt es die Alternative mit beiden Augen zu beobachten und unserem „Hirn“ die Filterung zu ermöglichen, da jeweils das linke und rechte Auge anders beschaffen ist und ein anderes „Rauschmuster“ erzeugt. Dazu gehören Großferngläser und Doppelrefraktoren als geeignete Gerätschaft. Beidäugiges Beobachten unter Einbeziehung der Bildbearbeitung im Gehirn ermöglichen insgesamt eine bessere Wahrnehmung und damit ein Erkennen. Das Sehen mit einem Auge entspricht nicht den Möglichkeiten des Erkennes mit beiden Augen. So ergibt sich in der Wahrnehmung mit beiden Augen eine größere und detailierte Darstellung der Objekte und gleichzeitig eine deutliche Empfindlichkeitssteigerung gerade im DeepSky Bereich. Als dritte Komponente ist die 3D Warhrnehmung zu nennen, welche den Mond als räumliche Kugel erscheinen lässt. Mondberge kommen förmlich auf den Beobachter zu! Die Glaskörpertrübungen fallen dabei nicht mehr so ins Gewicht!

Ein 80jähriger Beobachter sagte mir einmal: „Hätte ich nur früher mit dem Binosehen angefangen und mich nicht mit den „xxxeiß Dobsons“ herumgeplagt. Mit dem Bino sehe wirklich etwas, wenn ich wegen meinem Astma nachts an die frische Luft muss“

Das muss nicht Ihre Lösung sein und geschätzt 20% der Beobachter können wegen Augeproblemen nicht mit beiden Augen erfolgreich das Binosehen nutzen. Für Denjenigen, der es kann ist es aber eine Eröffnung!

Die Gelenkigkeit ist nicht mehr da und die Einblickpostion strengt an

Früher bin ich ums Fernrohr gelaufen und habe in fast jeder möglichen und unmöglich Position den Einblick gefunden. Dazu gehörte auch auf die Leiter steigen bei großen Dobson´s oder auf dem Boden kauern.
Heute überlasse ich das gerne Anderen und lege großen Wert auf Komfort. Gerade die bereits genannten alt-azimutalen Montierungsvarianten wie Gabelmontierung oder T-Montierungen eignen sich sehr gut für einen Betrieb mit Höhenverstellung. Händisch oder mit Motor lässt sich die Aufstellhöhe der Montierung verändern, so dass immer der Einblick bequem bleibt. Zusätzlich oder auch alternativ ist ein Stuhl mit Höhenverstellung eine super Lösung. Der Hubbereich ist hier begrenzt, aber in der Regel ausreichend bis zu 100 mm Großgläsern. Reicht das nicht aus, so gibt es auch Stehhilfen, welche entspanntes Stehen mit Unterstützung erlauben. Mit diesen Hilfsmitteln kommt man auch ohne Höhenverstellung der Montierung gut aus und ist bei schwerem Equipment die typische Wahl.

Fazit

Das Älterwerden gehört zum Leben und das Beobachten mit seinen persönlichen Möglichkeiten verändert sich. Kurioserweise sind die finanziellen Mittel im Alter oft besser als in der Jugend, aber neue Augen kann man sich leider nicht kaufen. In dem Alter, wo die besten optischen Mittel nicht zur Verfügung standen war die Sehkraft und körperliche Verfassung am Besten. Der Blick nach Vorne bietet aber aktuell auch neue Chancen, weil das heutige Angebot an optischen Mitteln preislich im Vergleich zu früher deutlich günstiger und in der Regel auch besser ist. Großferngläser wie Fujinon Sie schon lange hatte waren unerschwinglich und moderne SD Gläser sind erst in jüngster Zeit vergleichsweise preiswert erhältlich und dazu in hoher optischer und mechanischer Qualität. Moderne Okulare mit großem Augenabstand machen es auch Beobachtern mit zwingender Brillennutzung möglich, große Felder zu überblicken. Spezielle Filter für visuelle Beobachtung sind ebenfalls preiswerter geworden und helfen DeepSky trotz der um sich greifenden Lichtverschmutzung ausüben zu können. Computertechnik macht es heute leicht, alt-azimutale Montierungen motorisch für Amateure zu nutzen. Ich hoffe Sie können hier einige Vorschläge oder Gedanken mitnehmen, wie Sie es schaffen können das geliebte Hobby einige Jahre länger zu nutzen oder den Spaß daran neu zu entdecken.