Großfernglas Guide

Großferngläser oder auch Doppelrefraktoren, im englischen „BT“ Binocular Telescope genannt, erfreuen sich zu Recht immer größerer Beliebtheit. Gleichzeitig steigt das Angebot an Produkten, die Glassortenauswahl, die erhältlichen Einblickwinkel und unterschiedliche Montagemöglichkeiten auf einen Umfang an, dass ich nachfolgend eine Beratungshilfe vorstellen möchte.

Marktsituation der Großferngläser

Rückblickend gab es Großferngläser von Fujinon, Miyauchi und Vixen, welche preislich für Achromate recht teuer waren und ED Varianten nahezu unerschwinglich. Bezahlbare große, geradsichtige Ferngläser mit 80mm Durchmesser waren optisch aus heutiger Sicht „grottenschlecht“. Miyauchi stellte seine Ferngläser ein und im Qualitätsbereich kam Kowa hinzu, welche mit dem Fluorit Fernglas Highlander 30x82 bei 45° Einblick einen modernen Standard schufen. Wechselokulare mit speziellem Bajonett sind bis 50x verfügbar, aber auch sehr teuer. Erst mit der Einführung der APM ED Ferngläser gab es erschwingliche und zugleich gute Großferngläser auch über 70mm Öffnung, welche zu dem die Nutzung der genormten 1,25“/31,7mm Astrookulare ermöglichte. Diese Gläser kommen aus China, die mit modernsten Produktionsanlagen sehr hochwertige Optiken in Serie bauen können, was eine völlig neue Situation im Großfernglasmarkt schafft. Jüngst hat sich der Hersteller entschlossen die Gläser abgesehen der SD Varianten auch unter anderen Labels deutschlandweit anzubieten. So gibt es zusätzlich zu den optischen und mechanischen Varianten auch Wahlmöglichkeit zur Farbe. Verschiedene Grautöne und Perlweiß sind verfügbar. Ursprünglich gab es Achromate und ED Gläser sowie in seltenen Fällen Fluorit Varianten in Qualität der Farbkorrektur aufsteigend benannt. Seit ca. 2020 wird die Familie der „ED Gläser“, das für „Extra-Low-Dispersion“ steht, in zwei Gruppen aufgeteilt:

Den „ED“ und den „SD“ Gläsern. Damit wird die besondere Eigenschaft eines Glases des Objektives herausgestellt, die bei solch lichtstarken Objektiven der bestimmende Faktor für die Farbkorrektur ist. Bei preislich etwas günstigeren apochromatisch korrigierten Ferngläsern ist in der Regel das ED Element ein chinesisches FK-61 Glas. Dagegen werden für die besseren Ferngläser hinsichtlich der Farbkorrektur S-FPL53 von OHARA oder das FCD-100 von Hoya für das ED Element verwendet. Da diese sich preislich und qualitativ abheben wurde dafür das Kürzel „SD“ eingeführt. Bei älteren ED Ferngläser, wie z.B. dem Vixen BT-ED70S-A erhält man durchaus „SD“ Qualität, weil diese Unterscheidung erst jüngst per Aufdruck auf den Ferngläsern eingeführt wurde.

Einblickwinkel

Ferngläser gibt es mit geradem Einblick, 45° Einblick und 90° Einblick. Für typische Ferngläser ist der Einblick gerade und die Anwendung ist für die Tagbeobachtung konzipiert. Dennoch können mit Geradesichtferngläsern auch Nachts astronomische Beobachtungen durchgeführt werden. Für Freihandbeobachtung sollte die Vergrößerung nicht zu hoch angesetzt werden auf max. 7x – 8x. Persönlich nutze ich ein Vixen ED 6,5 x 32 für Freihandbeobachtung. Ein Zeiss Dekarem 10 x 50 hat auch heute noch gute Abbildungseigenschaften und jüngere Beobachter können mit Anlehnen eine gewisse Zeit so ein Fernglas nutzbar einsetzen. Ein Liegestuhl mit Armlehnen macht sicherlich auch Spaß für eine Zenitbeobachtung der Sommermilchstraße und solche Ferngläser sind weit verbreitet.

Bei einem 15 x 60 ist „freihändig“ die Leistung nicht mehr abrufbar und ein geeignetes Stativ und Neiger ist angesagt. Zum Beispiel lassen sich mit einem „Monster Parallelogramm Binokular Mount“ auch Geradsichtferngläser astronomisch nutzen. Übliche Neiger mit Stativen sind auch möglich, solange nicht hoch am Himmel beobachtet wird.

SD 120 Fernglas mit 45° Einblick

Ansonsten ist beim Kauf eine 45° Einblickposition ein guter Kompromiss für Tag- und Nachtbeoachtung. Je nach Montierung lassen sich damit auch Horizonthöhen von 70° erreichen und der Beobachtungskomfort ist höher als bei Geradesichtferngläsern. Nur ein Teil der Himmelsobjekte steigt bis in Zenitnähe, während die Mehrzahl der Objekte auch mit 45° Einblick erreichbar ist. Die 45° sind auch am Tag sehr angenehm in der Nutzung und hochwertige Großgläser bieten für Natur-, Wasser- und Bergbeobachtung ein großes Anwendungsgebiet.

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SD 82 mit 90° Einblick

Für rein astronomische Anwendung ist die Mehrzahl der Nutzer mit 90° am Zufriedensten. Der Zenit kann erreicht werden und ab einer gewissen Horizonthöhe überwiegen die Vorteile, jedoch ist Tagbeobachtung mit starkem Vorbeugen und somit Nackenschmerzen verbunden. Die Fachwelt ist sich nicht einig, ob nun 45° oder 90° die richtige Wahl für Astronomie ist und es gibt dazu individuell unterschiedliche Meinungen. Ich persönlich ziehe 45° vor, da ich eine Terasse mit gutem Südblick habe. Hier gibt es am Tag Natur zu sehen und nachts z.B. die tiefe Sommermilchstraße mit Ihrer Vielzahl an Objekten.

Qualitätskriterien

In Diskussionen wird gerne die Farbkorrektur als einziges Merkmal sehr leidenschaftlich diskutiert. Meiner Meinung nach sollte die Würdigung breiter und differenzierter beurteilt werden.

Gerade bei Ferngläsern mit den lichtstarken Objektiven ist für eine scharfe Sternabbildung die sphärische Korrektur besonders wichtig. Bei den neuesten Großferngläsern, welche ich von verschiedenen Lieferanten beziehe ist sehr positiv festzustellen, dass, egal ob nun bei Achromaten oder bei ED Gläsern, die sphärische Korrektur erfreulich gut ist. Die heutigen Gläser mit Wechselokularen erlauben rein von der Schärfeleistung für Ferngläser eine erstaunlich hohe Vergrößerungen . Die Justagegenauigkeit ist ab Werk mit einer gewissen Streuung verbunden und bis die Gläser beim Kunden ankommen, haben die Optiken einen langen Transportweg zu überstehen. In der Regel geht das gut und spricht für eine besonders robuste Konstruktion, trotz dem Leichtbau mit Magnesiumgehäusen. Ca. 60 x bis 75x Vergrößerung ohne Doppelbilder kann realistisch erwartet werden. Mit Glück auch mehr und Käuferseitig sollten Vergrößerungen über 80x nicht als Selbstverständlichkeit erwartet werden. Einen großen Einfluss haben hier auch die Okulare und deren Steckhülsen, welche eine weitere Einflussquelle bezüglich der Höchstvergrößung darstellt. Die Justage der beiden optischen Achsen kann gegen Aufpreis bis in den Bereich von über 150x Vergrößerung kollimiert werden. Mit entsprechendem Werkzeug und Anleitung kann ein geschickter Beobachter sein Glas selbst kollimieren.

Die Prismen bei den von mir angebotenen Chinamodellen sind besonders groß ausgelegt und erlauben eine volle Ausleuchtung der Okulare mit 1,25“, was besonders für schwache Vergrößerungen und Weitwinkelbeobachtung wichtig ist um eine Randabdunklung zu verhindern. Die Vergütungen sind hochwertig und in der Gesamtransmission ergeben sich helle, kontrastreiche Bilder. Bei einem Vergleich z.B. mit einem älteren Miyauchi 100mm Fernglas, die für Ihre Zeit Top Gläser waren, fällt die bessere Transmission und Kontrastleistung der modernen Gläser sofort auf! Bis dahin gibt es keine Unterscheidung von Achromaten zu ED- oder SD-Gläsern und auch die Achromate sind insgesamt von überraschend hoher Qualität.

Im Vergleich zu langbrennweitigen Teleskopen müssen Abstriche in der Beugungsfigur, bei der Korrektur des Farbquerfehlers und der Streulichtunterdrückung gemacht werden. In gewissen Abstandswinkeln zu hellen Sternen oder dem Mond können sich ggf. Geisterbilder oder Streulicht in den Großferngläsern zeigen.

Farbkorrektur

Die achromatischen und die ED/SD Modelle mit 70mm, 82mm, 100mm und 120mm Öffnung haben Öffnungsverhältnisse im Bereich von 5,7 bis 5,5. Das ist für einen Zweilinser sehr lichtstark! Die Beobachtung damit übertrifft jedoch in der Regel die Erwartung an die Farbkorrektur. Als Grund kann die Nutzung des Glaswegs im Fernglas angesehen werden, welcher die Brennpunkte der Farben „blau bis rot“ näher zusammenführt, sowie die Verwendung spezieller Glassorten. Die Korrektur ist als Einheit zu sehen und nicht das Objektiv einzeln zu bewerten, wie es bei Teleskopen der Fall ist. Es sollte unterschieden werden zwischen Tag- und Nachtbeoachtung:

Abblendung

So gefallen auch die Achromate besser als erwartet, bleiben aber dennoch Achromate und Begriffe wie Semi-Apochromat sind eher Werbeaufdrucke. Bei Tagbeobachtung kann jeweils mit Okularen von 32 mm bis 18 mm Brennweite ordentlich beobachtet werden. Hier hat es das größte Glas mit 120mm am schwersten, da der Farbfehler mit der Öffnung zunimmt. Jedoch bietet gerade das 120mm Glas mit 660mm Brennweite auch das größte Potential mit vorgesetzten Blenden die Öffnung für Tagbeobachtung sowie Mond- und Planetenbeobachtung zu verkleinern und damit das Öffnungsverhältnis zu entspannen. 82,5mm Blendendurchmesser vor dem 120mm Glas ergibt ein Öffnungsverhältnis von f/8 und folglich eine deutliche Verbesserung für diese Anwendungsfälle. Die Kontrastdarstellung an Planeten ist mit Abblendung sichtbar besser und bei 110x konnte ich am Jupiter feine Details erkennen. Der Mondrand erschien bei 66x nahezu farbrein und bei 110x zeigte sich ein schwacher Gelbsaum, der nicht störend in Erscheinung getreten ist. Die Detailauflösung war bei 110x absolut gewinnbringend!

Bei Deep Sky Beobachtung mit voller Öffnung spielt ein achromatisches Glas seine Möglichkeiten voll aus und die Sternabbildung ist teleskopartig bei schwächerer bis mittlerer Vergrößerung. Farbkontraste der Sternfarben werden nicht so deutlich gezeigt und sehr helle Sterne zeigen einen Farbsaum und sind im Durchmesser größer als bei ED Optiken. Ansonsten spielt die Farbkorrektur im Deep Sky Bereich keine besondere Rolle.
Der BT 120mm Achromat trennt bei Doppelsternen mit voller Öffnung Epsilon Lyra beide Komponenten mit dunklem Raum zwischen den Sternen, zeigt Rigel „B“ und im Trapez (Orion) die Komponente „E“.

Die ED Gläser sind von 70mm bis 100mm verfügbar, nicht jedoch bei 120mm Öffnung! Sie sind preiswerter und bei Budgetlimits oft der Kompromiss gegenüber der teueren „SD“ Alternative.
Bei reiner Astronomienutzung kann ich die ED Gläser ohne Abstriche empfehlen. Ein 100mm ED Glas zeigte bei 110x eine erstaunlich gute Jupiterabbildung und die Plejadensterne erschienen knackig scharf. Bei Tagnutzung möchte ich jedenfalls das 100mm Modell nicht empfehlen, da sich der Farbquerfehler schon etwas außerhalb der Bildmitte störend bemerkbar macht. Als Budgetlösung ist ein 70mm ED Glas eine gute Investition für Tag und Nachtbebeobachtung.

Wer hohe Ansprüche hat, sollte gleich zum SD Glas greifen, so das Budget es zulässt. Insbesondere bei Tagbeobachtung sind die Gläser kontrastreicher und farbreiner. Die Vergrößerungsfähigkeit ist nochmal höher zum ED Glas, abgesehen von den Limits der Justagegenauigkeit beider Achsen. So ein Glas deckt von Weitfeldbeobachtung bis zur Mond- und Planetenbeobachtung sozusagen „All in One“ ab. Dennoch gibt es Grenzen in der Farbkorrektur was den Farbquerfehler angeht. Er setzt bei den SD Gläsern weiter außen im Gesichtsfeld an und kann von kritischen Beobachtern dennoch gesehen werden, wenn schwierige Beobachtungssituation vorliegen und der Gesichtsfeldrand betrachtet wird. Auch die Wahl der Okulare spielt hier eine große Rolle und kann für den anspruchsvollen Beobachter eine kostspielige Angelegenheit werden. Mit Blick auf die Kompaktheit und dem Gewicht der SD Gläser kann es kaum noch besser werden in der Gesamtbetrachtung.
Wer nach optischer Perfektion sucht, kann mit einem langbrennweitigen Doppelrefraktor und Matsumoto EMS Systemen die „Qualitätsleiter“ nochmals höher steigen. Allerdings zu höheren Kosten, umständlicheren Auf- und Abbau und weniger Kompaktheit.

Welche Größe?

70mm Glas mit 2D Neiger

Jede Öffnung hat Ihren Himmel oder Anwendungsfall. 70 mm Großgläser sind relativ kompakt und leicht und können auch gewisse Strecken samt Stativ getragen werden. Beim Einsatz zuhause können die 70mm Gläser aufgebaut mit Montierung und Stativ bewegt werden. „Greifen und Gehen“ ist das Schlagwort und die Einsatzbereitschaft ist sofort gegeben. Es lohnt damit auch eine schnelle Beobachtung, die Hemmschwelle ist gering!

82 mm sind richtig, wenn es etwas mehr sein soll. Diese Größe ist noch kompakt und beweglich, dabei preislich nur unwesentlich teurer als die 70mm Klasse. Geeignetes Stativ mit Neiger kann ich für unter 300,--€ anbieten.
100 mm Gläser sollten nicht unterschätzt werden in der Größe und Gewicht. Die Anforderungen an Stativ und Montierung steigen und damit Gewicht und Preis. Ein entsprechendes Stativ und Neiger oder auch eine Gabelmontierung liegen preislich im Bereich von 500,--€ bis über 1000,--€.

Die Kombination kann kaum noch zusammen bewegt werden und zählt nicht mehr zum „Greifen und Gehen“ Bereich. Der Aufbau erfolgt in einzelnen Schritten, üblicherweise verbunden mit Laufwegen. Dagegen bieten 100mm Öffnung beobachtungsseitig neue Möglichkeiten und auch schwierigere Objekte werden erreichbar. Preislich ist für viele Beobachter auch eine Grenze der Zahlungsbereitschaft erreicht. Durch die ED Varianten kann etwas zu den SD Gläsern gespart werden.

SD 120 Großglas mit großer Gabel

Bei den 120mm Gläser besteht nur die Wahl zwischen Achromaten und SD Gläsern, welche mehr als Doppelt so teuer sind. 120 mm BT Achromate bestechen durch einen Zuwachs von 44% an Lichtsammelvermögen gegenüber 100mm Öffnung bei prozentual geringerem Preisanstieg. Im Deep Sky Bereich bereichern Sie mit Beobachtungskomfort und konkurrieren in der Wahrnehmung mit deutlich größeren Teleskopen. Gerade bei schwachen Vergrößerungen und großen Feldern liefern Sie ein beidäugiges Beobachtungserlebnis, das eine gute Ergänzung zu Teleskopen darstellt. SD 120mm Geräte sind sozusagen die Königsklasse mit weitem Vergrößerungsbereich und kontrastreicher Darstellung sowie hoher Farbsättigung von Planeten oder Sternfarben. Bei Gläsern dieser Größe empfehle ich in der Montierung eine Klasse höher zu gehen als beim 100mm Glas, was etwa 500,--€ Mehrkosten verursacht. Allerdings machen diese Gläser nur dann Spaß, wenn die Montageeinheit Schwingungen schnell abklingen lässt und hier zu sparen wird diesen Gläsern nicht gerecht.
Die größten Ferngläser haben derzeit 150mm Öffnung! Wer schon mal unter gutem Himmel mit so einem 6“ BT beobachten konnte weiß um die Leistungsfähigkeit solcher Geräte. Ich hatte so ein Erlebnis unter Alpenhimmel und konnte nicht glauben wie Galaxien sozusagen „ins Auge“ sprangen. Ich denke Beobachten möchte Jeder mit so einem Glas, kaufen können es nur Wenige aus finanzieller Sicht und Auf-Abbauen muss man bei dem Fernglasgewicht von 22kg schon wirklich „wollen“. Bei stationären Aufbau mit einer elektrisch höhenverstellbaren Säule ist so ein Großglas unter dunklem Himmel ein visuelles Erlebnis der besonderen Art. Wer soweit geht, wird gedanklich auch einen Doppelrefraktor mit Matsumoto EMS abwägen, die sogar mit noch größeren Öffnungen herstellbar sind.

Stative und Montierungen

Berlebach 19C + Gabelmontierung

Wie schon beschrieben, muss mit zunehmender Öffnung der Ferngläser auf entsprechend solide Stative und Montierungen geachtet werden. Durch den Schwenkbereich der Gläser ändert sich die Einblickhöhe. Die Positionierung des Einblicks kann mit einem Kurbeleinsatz am Stativ und/ oder einem höhenverstellbaren Stuhl angepasst werden. Während ein 70mm Glas mit einem Berlebach Report und 40mm Kurbelsäule ausreichend aufgestellt ist, sollte es bei einem 120mm besser ein K70 Stativ mit 70mm Kurbelsäule sein.

Kompakte 70 mm und 82 mm Gläser benötigen nicht zwingend einen Kurbeleinsatz der so kostspielig ist wie ein solides Stativ mit Neiger. Ein höhenverstellbarer Stuhl oder Stehhilfe reicht für die nötige Anpassung aus. Gut und günstig sind 2-D Neiger mit eingebauter Spannfeder in der Höhenachse, welche ein 4kg Glas in jeder Höhenposition ohne Nutzung der Klemmung halten können. Dabei ist der max. Höhenwinkel limitiert auf ca. 70°. Für 90° Gläser bieten sich hier Gabelmontierungen an, die konzeptionell auch Zenitbeobachtung ermöglichen. Gabelmontierungen sind voluminöser als alternative Mittenmontierungen und auch schwerer. Der Vorteil der Gabelmontierung liegt in der feinfühligeren Bewegungsausführung. Übliche Gabelmontierungen tragen bis 100 mm Gläser solide und können auch 120 mm Gläser aufnehmen. Allerdings neigen Sie bei starker Gewichtsbelastung zu hochfrequenten Schwingungen, welche sich bei Vergrößerungen über 60x nachteilig auswirken. Deswegen empfehle ich für 120mm SD-Gläser das größere Modell der Gabelmontierung.

L-Winkel aus eigener Fertigung

Eine feinere Bewegung und besseres Schwingverhalten leisten T-förmige Montierung mit solidem L-Winkel. Als Beispiel sei hier die AYO Montierung genannt, die auch als AYO Digi2 als „Push To“ Montierung erhältlich ist. Käufliche L-Winkel haben sich bei großen Gläsern als Schwachpunkt herausgestellt und deswegen fräse ich solche Winkel mit großen Querschnitten in eigener Fertigung.

Ayo Master 120mm

Die Ayo Master trägt mein 120mm Glas in der Weise, dass nach einer Bewegung eine einmalige Schwingung auftritt und danach das Glas fast völlig zur Ruhe kommt. Erst hohe Vergrößerungen lassen noch zwei folgende schwache Schwingungen erkennen, so dass nach 2 Sekunden das Glas völlig zur Ruhe kommt. Bei schwach ausgelegten Gabeln kann es sein, dass die Zeit um ein Vielfaches überschritten wird und hohe Vergrößerungen dabei nur schwierig nutzbar sind. Als Ausführung gibt es statt handbewegungs-optimierten Montierungen auch solche mit Getrieben in beiden Achsen, die auch teils mit flexiblen Wellen eine Feinbewegung ermöglichen. Schließlich gibt es Montierungstypen auch mit vollständigem GoTo als motorische Variante.

Okulare

Bis 120mm Öffnung bieten die Gläser die Möglichkeit Standard 1,25“ Okulare zu verwenden. Leider ist der Standard nicht wirklich mit Toleranzen verbindlich und jeder Hersteller weicht vom Normdurchmesser 31,7mm mehr oder weniger ab. Zudem ist es leider Mode geworden, dass die Hersteller Sicherheitsnuten unterschiedlichster Ausführung in die Hülsen drehen. In Folge dessen kann es Probleme beim Stecken, Klemmen und der Justagegenauigkeit geben! Dies muss im Einzelfall geklärt werden und aufgrund der Vielfalt an Okularen findet sich immer eine sinnvolle Lösung. Für die grundsätzliche Eignung der Okulare ist einerseits der Okulardurchmesser als auch der Augenabstand des Beobachters zu berücksichtigen. Die Nase muss ja auch noch Raum haben! Was monokular funktioniert muss nicht binokular Erfolg haben, weil der Kopf hier nicht gedreht werden kann. Da jeder Mensch seine eigene Beobachtungsergonomie besitzt und das „Handling“ anders empfunden, wird hilft nur direktes Probieren und nicht stundenlanges Lesen in Foren mit einer Unzahl an Empfehlungen. Orthoskopische Okulare können an Großferngläsern häufig nicht verwendet werden, weil die Fokuslage zu kurz fällt. Wobei gerade an Ferngläsern Weitwinkelokulare besonders für die schwachen Vergrößerungen sehr empfehlenswert sind. Bei den kürzeren Okularbrennweiten sind Weitwinkelokulare auch empfehlenswert, aber in guter Ausführung in der Regel kostspielig. Hier kommt es auch auf die Zentriergenauigkeit der Okulare an, damit bei einem gut justierten Glas keine Doppelbilder bei hohen Vergrößerungen auftreten. Andererseits kann eine Okularpaar-Dezentrierung auch genutzt werden um eine leichte Dejustage der Gläser zu kompensieren. Dazu werden die Okulare solange gedreht bis sich das Bild optimiert hat. Ggf. kann die optimale Stellung der Okulare zur leichteren Wiedererkennung markiert werden.

Parallelmontage 120 Fernglas
mit Teleskop FLT 135, Vixen
ED70 auf Neiger im Hintergrund

Noch Fragen?

Auch nach Lesen dieses bereits umfangreichen „Großfernglas Guide“ werden noch Fragen bleiben, die Sie gerne mit mir besprechen können: Kontakt

Es gibt nicht die „eine Lösung“, welche perfekt ist, sondern es gilt eine Lösung zu finden, welche Ihre persönlichen Anforderungen zufriedenstellt. Ich liefere Ferngläser der Marken APM, Bresser, Teleskopservice, Vixen und Andere. Montierungen von AOK, APM, Berlebach, Bresser, TS, Optical Vision, Vixen und stelle Adaptionen in eigener Fertigung her.